"Ornis" - Verein für Vogelkunde und Vogelschutz Annaberg e.V.

    Artenschutzprogramm "Rettet den Mauersegler":

    Erfahrungen bei der Erhaltung und Neuschaffung von Mauerseglerniststätten in Annaberg-Buchholz

    1993 - 1996


Zahlen und Fakten:

120
neue Nistplätze geschaffen

514
Brutplätze erfaßt und kartiert

1.034
Stunden wurden für das Projekt geleistet

10.000
Stück Faltblätter "Der Mauersegler" wurden in ganz Deutschland verschickt

94
Institute, Museen, Einzelpersonen, Baubetriebe, Wohnungsgesellschaften, Naturschutzbehörden, u.v.a. haben sich bisher an uns gewandt und Rat eingeholt

75
Kilometer Straßen wurden jedes Jahr zwei Mal zu Fuß abgelaufen

10
Veröffentlichungen, zum Thema Mauersegler, gab es bisher in der Presse und in Fachzeitschriften


    Entstehung:

    Die rasante Entwicklung im Städtebau, der Abriß alter Häuser, Sanierungsmaßnahmen an Gebäuden kostete nicht nur Brutplätze der Mauersegler sondern auch das Leben vieler junger Mauersegler, denn die Jungvögel wurden einfach eingemauert (so jedenfalls in Annaberg). Sicherlich war das in den meisten Fällen gar nicht gewollt sondern geschah aus Unkenntnis oder Bequemlichkeit.
    Hier mußte etwas getan werden und der Verein begann mit der Erarbeitung eines Programms zum Mauerseglerschutz mit dem Ziel möglichst alle Brutplätze in den Städten Annaberg und Buchholz zu erfassen, zu erhalten oder wo das nicht möglich war neu zu schaffen.
    Zu den beiden Städten sei nur so viel gesagt, daß die Stadt Annaberg im Jahre 1496 und Buchholz im Jahre 1501 gegründet und 1945 durch die sowjetische Besatzungsmacht zur Stadt Annaberg-Buchholz vereinigt wurden. Die beiden Stadtteile ziehen sich von der Talsohle der Sehma an zwei entgegengesetzten Talhängen empor. Die 500 Jahre alte Stadt mit ihren Stadtteilen Annaberg, Buchholz und Kleinrückerswalde hat 24.000 Einwohner. Auf einer Fläche von 1.268 ha befinden sich ca. 11.000 Gebäude mit einem dazugehörigen Straßennetz von etwa 75 Kilometer Länge. Die vorhandene Gebäudesubstanz ist zum Teil in einem -noch- sehr schlechten baulichen Zustand, obwohl Fortschritte auf diesem Gebiet nicht zu übersehen sind.

    Projektgestaltung und Lösungsansätze:

    Die erste Aufgabe hieß Kartierung möglichst aller Brutplätze des Mauerseglers in Annaberg und Buchholz. Da diese Aufgabe ohne finanzielle Mittel nicht zu lösen war wurde1993 ein Programm erarbeitet und ein Antrag auf Fördermittel gestellt, der von der Oberen Naturschutzbehörde im Regierungspräsidium dankenderweise kurzfristig bewilligt wurde.

    Der erste Teil der Kartierung fand am 30.06.1993 statt. Der Zeitpunkt war gut gewählt, da bereits in allen Nestern Jungvögel waren und die Mauersegler ihre Nisthöhlen anfliegen mußten. Dadurch war eine Zählung und Registrierung der Brutplätze und -paare möglich. Diese Sichtbeobachtungen sind sehr zeitaufwendig und wurden durch eine weitere Methode ergänzt, denn nicht immer war der Nistplatz durch herumfliegende Mauersegler zu erkennen, vor allem dann nicht, wenn es sich nur um einen Brutplatz handelte. Hier hat sich der Mauersegler oft selbst durch seine Kotreste auf dem Fußweg bemerkbar gemacht.

    Während der Kartierung wurde immer wieder festgestellt, daß ständig neue Sanierungsarbeiten durchgeführt werden. Dabei ging so mancher Mauerseglerbrutplatz verloren und es begann eine fieberhafte Suche nach Wegen und Möglichkeiten, dies zu verhindern oder zumindest einzudämmen.

    Die Auswertung der Kartierungsunterlagen ergab folgendes:
    1993 - 250 Brutpaare
    1994 - wurden weitere 153 Brutplätze erfaßt
    1995 - wurden 41 neue Brutplätze erfaßt
    1996 - kamen wieder 70 neue Brutplätze dazu.
    Somit wurden in den Jahren 1993 - 1996 in Annaberg Buchholz 514 Brutplätze des Mauerseglers erfaßt und kartiert. Nach ersten Auswertungen gingen allein 1995/96 - 133 Brutplätze verloren, ein unwiederbringlicher Verlust.

    Die Schwerpunkte der Arbeit lagen natürlich auf dem vorhandenen Wohngebiet Barbara-Uthmann-Ring, denn an den hier vorhandenen Plattenbauten gab es eine hohe Konzentration von Mauerseglerbrutplätzen, die es zu erhalten gilt.

    Ergebnisse:

    Die Erhaltung der angestammten Brutplätze scheiterte immer wieder an den Bauherren und Architekten, die mit dem Hinweis auf entstehende Wärmebrücken und den dadurch verminderten Wärmeschutz an Gebäuden, ihre Mitarbeit verweigerten. Sicher war dieser Weg einfach und problemlos, aber es gab auch Firmen, die der Schaffung neuer Brutplätze positiv gegenüber standen und unsere Anliegen voll unterstützten. Erwähnen möchten wir die Firma Real Massivbau, welche im Jahre 1994 und 1995 im Neubaugebiet Herzog-Georg-Ring 12 Niststeine eingebaut hat.

    Eine neue Qualität der Schaffung von weiteren Nistmöglichkeiten entstand im Jahre 1995 durch das Entgegenkommen der Städtischen Wohngesellschaft, die bereit war mit uns gemeinsam nach brauchbaren Möglichkeiten zu suchen. So wurden, als Großversuch, 16 Niststeine auf den Dächern von 5 Gebäuden aufgeklebt. Nach den ersten Kontrollen 1996 haben die Niststeine den Winter gut überstanden. Ende Juli 1996 wurden dann 8 Kästen kontrolliert, davon waren 7 Kästen besetzt, in einem befand sich noch ein Ei und in einem anderen befand sich ein Mauersegler Altvogel, welcher gefangen und beringt wurde.

    Hervorheben wollen wir auch den Stadtbauausschuß der Stadt Annaberg-Buchholz,der unser Anliegen ebenso unterstützte. Wir hatten die Möglichkeit, die Probleme des Mauerseglerschutzes im Stadtbauausschuß vorzutragen und dort für den Schutz und den Erhalt der Brutplätze zu werben, aber auch gleichzeitig die Schaffung neuer Brutplätze anzumahnen. Ebenso konnten wir feststellen, daß die Mitglieder des Ausschusses unsere Ausführungen mit viel Interesse aufnahmen. Die von uns erarbeitete Dokumentation über den Mauersegler, die auch eine Liste der kartierten Brutplätze enthielt wurde uns direkt aus den Händen gerissen. Nach einer sehr regen Diskussion faßte der Stadtbauausschuß den einstimmigen Beschluß, das Verzeichnis der Brutplätze der Denkmalsliste der Stadt gleichzusetzen und bei Bauanträgen eine Überprüfung, ob an diesen Gebäuden ein Brutplatz vorhanden ist oder nicht, vorzunehmen. Bei positivem Ausgang sollte der Antragsteller dann informiert und für den Erhalt dieser Brutplätze gewonnen werden.

    An dieser Stelle soll nicht unerwähnt bleiben, daß ohne die Unterstützung viele Kommunalpolitiker, Baufirmen, Privatpersonen, Hauseigentümer, Architekten, des Bundesbauministeriums, des Sächsischen Ministeriums für Umwelt und Geologie, der Naturschutzbehörde des Kreises Annaberg, u.v.a. das bisher Erreichte nicht möglich gewesen wäre, dafür möchten wir uns auch auf diesem Wege ganz herzlich bedanken.


    Der Verein hat ein Faltblatt zum Mauerseglerschutz herausgegeben. Dieses kann kostenlos vom Verein bezogen werden.